Eine sinnliche Reise: Unsere Olivenernte
Albert Einstein sagte einmal: „Schau tief in die Natur, und dann wirst du alles besser verstehen.“
Selten hat dieses Zitat besser zu einem Erlebnis gepasst als zu unserer diesjährigen Olivenernte.
Seit über 20 Jahren importieren wir Olivenöle aus Italien, Griechenland und Spanien – und doch kannten wir den Ursprung des Öls bisher nur „ab der Flasche“. Es war also Zeit, die Wurzeln unseres wichtigsten Naturprodukts wirklich kennenzulernen: den Anbau, die Ernte, die Verarbeitung – und die Menschen dahinter.
Die Insel Hvar – eine Landschaft voller Geschichte
Unsere Reise führte uns auf die kroatische Insel Hvar, die fast auf dem gleichen Breitengrad wie Pisa liegt.
Ein Großteil der Olivenhaine befindet sich im fruchtbaren Norden der Insel – geprägt von rotem Kalksteinrotlehm „Terra Rossa“ , Ton und sandigen Böden.
Zwischen den Bäumen ziehen sich eindrucksvolle Trockenmauern, vor Jahrhunderten von den Römern als quadratisches Vermessungssystem errichtet. Jedes Quadrat galt als Lebensgrundlage für eine fünfköpfige Familie – heute sind diese Strukturen UNESCO-Weltkulturerbe und sogar per Satellit sichtbar.
Handarbeit, Geduld und Respekt – unsere Ernte
Von 10 bis 16 Uhr haben wir täglich Oliven von Hand geerntet: Sorten wie Oblica und Leccino.
Nur perfekte Früchte – nicht faul, nicht beschädigt, nicht vom Boden – kamen in unsere Körbe.
Einige der älteren Bäume haben wir liebevoll „Familienbäume“ genannt. Zu dritt verbrachten wir manchmal zwei Stunden an nur einem einzigen Baum – für 20 bis 30 Kilogramm Oliven. Insgesamt lag unsere Tagesernte bei 300 bis 500 kg mit etwa 15–17 Helfern.
Zwischen Gottesanbeterinnen, Schnecken und Tausendfüßlern stellte sich bald eine innere Ruhe ein, wie man sie nur bei echter körperlicher Arbeit im Einklang mit der Natur findet.
Warum wir bewusst nicht maschinell ernten
Im Gegensatz zur maschinellen Ernte, bei der die Früchte regelrecht vom Baum gerissen werden und Verletzungen unvermeidlich sind, wollten wir nur das Beste: unbeschädigte Oliven.
Maschinelle Ernte bedeutet schnelleres Arbeiten – aber auch Quetschungen, faule Früchte und viel Kontakt mit dem Boden. Für hochwertiges Native Extra-Olivenöl ist das ein No-Go. Qualität hat ihren Preis: Zeit.
Ankunft in der Ölmühle – Ingenieurskunst trifft Tradition
Die Ölmühle war ein Erlebnis für sich: moderne Technik auf höchstem Niveau.
Da auch viele andere Bauern gleichzeitig anliefern, bekommt man schnell ein Gefühl dafür, wie unterschiedlich Oliven aussehen können – und wie entscheidend Reifegrad und Zustand der Früchte sind.
Der Verarbeitungsprozess:
- Reinigung – lose Blätter werden weggeblasen, anschließend werden die Oliven gewaschen und abgeduscht.
- Mahlung – ganze Oliven inklusive Kern werden zu einem Brei verarbeitet.
- Schonendes Rühren – die Masse wird nur so bewegt, dass sich das Öl optimal löst, ohne Qualität zu verlieren.
- Pressung ohne Erwärmung – der Druck wird bewusst begrenzt, um keine bitteren, unangenehmen Aromen zu lösen.
- Zentrifuge – trennt Öl und Wasser.
- Ruhephase – das junge, unfiltrierte Olivenöl setzt zwei Wochen Trubstoffe ab, bevor es abgefüllt wird.
Unsere diesjährige Öl Ausbeute kaltgepresst: 18 %.
Aus 100 kg Oliven wurden also 18 Liter Olivenöl –
Das junge Öl – intensiv, frisch und voller Charakter
Frisch gepresstes Olivenöl ist ein Erlebnis:
pikant, pfeffrig, scharf, grasig – voller lebendiger Aromen.
Das leichte Kratzen im Hals ist kein Fehler, sondern ein Qualitätszeichen! Je höher der Gehalt an Polyphenolen, desto intensiver das Gefühl.
Mit der Zeit wird das Öl auf der Flasche runder und fruchtiger – ähnlich wie beim Wein.
Vom Baum bis zum Teller – ein ganzheitliches Erlebnis
Wir kennen nun jeden Schritt:
vom Olivenhain über die Handernte und schonende Pressung bis zur Abfüllung.
Der krönende Abschluss war natürlich kulinarisch: frisches Brot, junges Olivenöl, lokale Spezialitäten – ein Genuss, der die ganze Reise noch einmal aufleben ließ.
Viel Freude & mediterranem Genuss wünscht
Guntram Fahrner
Weinlade am Gutenbergplatz